Katholische Pfarrgemeinde Sankt Margareta Neunkirchen-Seelscheid, Erzbistum Köln
Katholische Pfarrgemeinde Sankt Margareta Neunkirchen-Seelscheid, Erzbistum Köln
Katholische Pfarrgemeinde Sankt Margareta Neunkirchen-Seelscheid, Erzbistum Köln

Sie sind hier: Sankt Margareta » Aktuelles

Osterpredigt

Liebe Gemeinde!


Zunächst einmal wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein frohes und gesegnetes Osterfest!


Dieses Medium ist neu für mich, denn ich versuche mich an einer Lesepredigt. Eine Predigt, die nicht gehalten, sondern geschrieben und dann gelesen wird.

Aber vieles für uns ist neu: der eigene Youtube-Kanal, der erste Onlinegottesdienst vom 7. April, geöffnete Kirchen, aber keine Gottesdienste von Angesicht zu Angesicht – dafür Gebete für daheim, Mutmachbriefe für die Kommunionkinder...


Dazu Sorgen und Gedanken vieler vor dem Hintergrund der Corona-Epidemie:

  • Sorge um Gesundheit

  • Sorge um Einkommen und wirtschaftlichen Bestand über diese Zeit

des Shut-downs.

  • Sorge um einen Impfstoff und ein wirksames Medikament

  • Diese Sorgen ließen sich hier weiter fortführen...


Da hinein die Osterbotschaft zu sprechen ist schwer.


Wirklich?


Ostern kam vor dem Hintergrund des Karfreitags in die Welt. Ostern kam überraschend. Niemand hatte das leere Grab erwartet.

Ostern kam nicht geplant – und wenn der Herr den seinen davon erzählte, verstanden sie ihn nicht.

Ja, Petrus war es, der einmal sagte: Nein, Herr, das darf nicht mit dir passieren“. Und Jesus warb um ihn und sagte: „Komm doch auf meine Seite“ hinter mich.


Vielleicht kennen Sie den Film „Ciao, ich bin Covid 19 Corona Virus“ bei Youtube. Sie finden diesen Film auch auf unserer Homepage unter „Aktuelles/Neuigkeiten“.

Bitte schauen Sie ihn!!

In diesem Film wirft das Virus in fast alttestamentlicher prophetischer Weise der Menschheit ihre Vergehen vor.

Ich zitiere aus einem Brief unseres Weihbischofs an die Seelsorger: „Ähnliches hat Papst Franziskus in seiner Ansprache am 27. März vor dem Segen „Urbi et Orbi“ gesagt: „Wir sind mit voller Geschwindigkeit weitergerast und hatten dabei das Gefühl, stark zu sein und alles zu vermögen. In unserer Gewinnsucht haben wir uns ganz von materiellen Dingen in Anspruch nehmen und von der Eile betäuben lassen. Wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden.“ In dem genannten Video sagt das Virus am Ende: „Ich möchte, dass ihr ein für alle Mal versteht, dass ihr den Kurs ändern müsst.“ Lassen wir uns wirklich darauf ein? Dann wären die Opfer und die Toten nicht umsonst.“


Soweit der Weihbischof.


Ist das nicht die christliche Botschaft?!


Die Wirklichkeit unserer Welt in all ihrer Unerlöstheit zu betrachten und dem Unerlösten mit dem Guten entgegenzutreten. Das Gute ist unser Glaube und unser Handeln aus dem Glauben.

Das Gute an der heutigen Situation (ja, es gibt auch Gutes in unserer Zeit) ist es, dass wir lernen dürfen, was wirklich zählt.

Auf dem Friedhof sprach mich nach einer Beisetzung, eine junge Frau an: „Herr Pastor, wann können wir endlich wieder Eucharistie feiern in unserer Kirche, nicht nur am Fernsehen?“.

Eine Antwort geben konnte ich nicht, weil diese Frage von Entscheidungen abhängt, die noch nicht getroffen wurden. Aber sie sagte auch – und das brachte mich zu Schmunzeln -: „Der Mensch lebt nicht von Brot und Klopapier allein“.

Ja, als Christen sollten wir lernen, Sehnsucht zu haben nach unserem Glauben und dessen Vollzug. Das ist das erste, was wir lernen können.

Ein zweites können wir lernen: Dieser unerlösten Welt die christliche Botschaft entgegen zu halten.


Grade in den Altenheimen herrscht Not, Betretungsverbot und Einsamkeit. Wir können für sie Einkaufen, wir können für sie vor und in den Innenhöfen der Heime singen und beten (sobald man wieder uneingeschränkt raus darf), wir können und sollen erfinderisch sein. In vielen Städten gibt es Gabenzäune für die gefährdeten Gruppen...

Nach der Corona-Krise wird die Kirche anders sein – wenn wir lernen, neue Wege zu den Menschen zu gehen – nicht nur online.

Wir lernen eine Option für das Leben – und jetzt zitiere ich den erwähnten Film:

„... damit ihr versteht, dass das einzig Wichtige einfach eines ist:


Das Leben.


Eures und das Eurer Kinder und was wirklich wichtig ist, um es zu schützen, zu lieben und zu teilen... damit ihr versteht wie wichtig eine Umarmung ist, der menschliche Kontakt, ein Dialog, ein Händedruck, ein Abend mit Freunden, ein Spaziergang in der Innenstadt, ein Abendessen in einem Restaurant, oder beim Joggen an der frischen Luft im Park; von diesen Gesten aus, muss alles neu gestartet werden...

Lebt Euer leben so einfach wie möglich, geht, atmet tief durch und tut was Gutes. „Denn das Gute wird immer ... zu dir zurückkehren“.

Das ist unser Glaube und die Osterbotschaft.


Ich habe viel nachgedacht in den vergangenen Tagen, um der Situation heute einen Sinn zu entnehmen.

Der Unerlöstheit unserer Welt unseren Glauben und unseres Handeln entgegenzustellen. Das ist österliches Handeln!

Ja, wenn das gelingt, dann waren die Toten und Kranken nicht umsonst.


Ich wünsche Ihnen frohe und gesegnete Ostern!


Christus ist auferstanden! Unsere Gesellschaft wird auferstehen.

Und wenn, es denn schon einem Virus gelingt die Welt zu bewegen...

warum sollte das Evangelium es mit unserer Hilfe nicht können? Stellen

wir es der unerlösten Welt entgegen.



Ihr

 

Martin Wierling, Pfarrer


Die Predikt kann hier auch als Dokument heruntergeladen und ausgedruckt werden.




Zurück